Mutterleid

In nacktes Fleisch die Klinge beisst,
weil der Vater fremd bespringt
Mutters Tochter. Der Trieb entgleist,
wenn das Tier im Manne singt.

Die Klinge scharf, tanzt trunken
auf nicht mehr atmen wollend Poren.
Gestohlne Scham im Leid versunken,
das der Vater ihr geboren.

Der Mutterschoss fraß Staub seit Jahren,
weil Vaters Stoß von dem verzückt,
was Liebesnächte einst gebaren,
womit er ihren Leib bestückt.

Das Eisen kalt hält inne, doch
löschte's Gram, macht blind und taub.
Die Leibesfrucht, die aus ihr kroch
bringt ihrem Acker Zweig und Laub.

© Daniela Wegert

zurück